Der Obere Rosenhöfer Kunstgraben

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Der Obere Rosenhöfer Kunstgraben
Der mit Betonplatten bedeckte Obere Rosenhöfer Kunstgraben unterhalb des Dammes des Unteren Flambacher Teiches
Der Obere Rosenhöfer Kunstgraben, auch kurz nur "Oberer Rosenhöfer Graben" genannt, ist ein historisches wasserwirtschaftliches Bauwerk im Oberharz. Dieser rund 10.500 Meter lange Wassergraben wurde einst für Bergbauzwecke erbaut. Er ist heute noch in großen Teilen vorhanden und über kurze Strecken auch funktionstüchtig. Der Obere Rosenhöfer Kunstgraben gehört zum denkmalgeschützten Oberharzer Wasserregal und verbindet eine Vielzahl weiterer zugehöriger Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft miteinander.
Vorgeschichte
Die ertragreichen Silberbergwerke des Rosenhöfer Gangzuges westlich von Clausthal verzeichneten mit wachsender Teufe einen immer höher werdenden Energiebedarf. So mussten z.B. einsickernde Grubenwasser ans Tageslicht befördert und diverse Transporte von Menschen und Material verrichtet werden. Mit Muskel- und Pferdekraft allein waren diese Aufgaben bereits im späten 16. Jahrhundert nicht mehr zu bewältigen. Des Weiteren hatte man zu dieser Zeit längst alle lokal verfügbaren Wasserreserven den Bergwerken zur Verfügung gestellt.

Es erwies sich daher als unumgänglich, das kostbare Naß aus größerer Entfernung heran zu schaffen. Ins Blickfeld geriet dabei schon bald die sumpfige Gegend südlich von Clausthal. Die Anlage des Alten Wasserläufer Teiches erfolgte zu dem Zweck, von dort durch einen Wasserlauf den Energieträger zu den Rosenhöfer Silbergruben zu transportieren. Doch der Aufwand zum Durchschlag des Stollens stellte sich als zu teuer und zu langwierig heraus, so dass man den Plan aufgab.

Grabenbau
Was nun noch als Option verblieb war der Versuch, das Wasser oberirdisch aus der Region zwischen Clausthal und Buntenbock zu den Bergwerken zu befördern. Dazu mussten Teiche angelegt und ein Graben errichtet werden, welcher den Geländekonturen folgen und eine entsprechende Länge aufweisen würde.

Um das auf verschiedenen Höhenniveaus vorhandene Wasser effektiver nutzen zu können, legte man außerdem gleich zwei weitestgehend parallel verlaufende Gräben in unterschiedlicher Höhe an. Der höhergelegene dieser Wassergräben war der heute Oberer Rosenhöfer Kunstgraben genannte. Er versorgte die weiter bergauf gelegenen Kunsträder der Bergwerke des Rosenhöfer Reviers mit Aufschlagwasser.

Dieser Wassergraben wurde etwa ab dem Jahre 1704 erbaut und trug zunächst die Bezeichnung "Drei Königer Kehrradsgraben". Insgesamt sollte das Bauwerk nach seiner Fertigstellung eine Länge von mehr als zehn Kilometern haben. Vermutlich nutzte man streckenweise bereits vorhandene ältere Gräben oder überbaute diese.

Bauweise
Die Anlage des Grabens erfolgte in wesentlichen Teilen als Erde-Stein-Konstruktion bzw. als Trockenmauerwerk. Zunächst wurde er aber streckenweise auch als Holzgerinne ausgeführt. Diese Bauweise war wohl anfangs preisgünstiger, aber nur schlecht den Oberharzer Witterungsbedingungen angepasst. Später ging man auch an diesen Abschnitten zur Trockenmauer über. Die heute noch aktiven Teilstrecken des Oberen Rosenhöfer Kunstgrabens sind weitestgehend in Beton gefasst und ebenfalls mit Platten aus Beton abgedeckt.
Einzugsgebiet
Zahlreiche Teiche wurden zur Speisung des Grabens neu erbaut bzw. bereits vorhandene mit genutzt oder erweitert. Bei diesen künstlichen Gewässern handelt es sich um den Bärenbrucher Teich, den Ziegenberger Teich, den Pixhaier Teich, den Schwarzenbacher Teich, den Hasenbacher Teich, den Semmelwieser Teich, die beiden Flambacher Teiche sowie bis etwa 1964 auch noch um den Unteren Nassenwieser Teich.

Am Südhang des Flamsberges sammelte obendrein der Flambacher Flutgraben die dort auftretenden Oberflächenwasser ein. Unterhalb des Semmelwieser Teiches wurden diese in den Oberen Rosenhöfer Kunstgraben eingeleitet.

Abkürzungen des Grabens
Der Unterhalt eines offenen Wassergrabens erforderte einige Mühe. Besonders im Winter war der Wartungsaufwand recht hoch und damit sehr kostspielig. Nicht nur mussten schadhafte Stellen ausgebessert, sondern auch das Wasser vor dem Einfrieren bewahrt werden. Zu diesem Zweck deckte man in der kalten Jahreszeit (welche seinerzeit wirklich sehr kalt war) die Wassergräben mit Reisig ab. In Folge der Holzknappheit im Oberharz war dieses Material auch nicht gerade kostengünstig verfügbar.

Eine mögliche Lösung dieses Problems war lange bekannt, aber kurzfristig mit einem erheblichen Finanzbedarf und personellem Aufwand verbunden. Dennoch erschufen die Oberharzer Bergleute in der Zeit zwischen 1763 und 1949 in mühevoller Arbeit zahlreiche unterirdische Abkürzungen des Oberen Rosenhöfer Kunstgrabens.

Beim ersten dieser als "Wasserläufe" bezeichneten Stollen handelte es sich um den 1763 in Betrieb genommenen Oberen Flambacher Wasserlauf. Es folgten 1776 der Obere Klein-Clausthaler Wasserlauf und 1808 der Obere Schwarzenbacher Wasserlauf. Nur drei Jahre später konnte auch der Obere Hasenbacher Wasserlauf seine Arbeit aufnehmen und 1839 der Obere Johannisthaler Wasserlauf, welcher mit mehr als 1.000 Meter der längste dieser Wasserstollen ist. Etwas aus dem Rahmen fällt der erst nach dem Ende der Bergbau-Ära vorgetriebene Bärenbrucher Wasserlauf. Dieser Stollen wurde im Jahre 1949 seiner Bestimmung übergeben.

Nach Beendigung all dieser Arbeiten hatte man fast die gesamte Streckenführung des Oberen Rosenhöfer Kunstgrabens unter die Erde verlegt. Nur wenige hundert Meter des alten Wassergrabens konnten aus verschiedenen Gründen nicht ersetzt werden. Alle sechs Wasserstollen haben eine Gesamtlänge von etwas mehr als 4.600 Meter. Sie sind auch in unseren Tagen noch vollständig intakt. Bis zu Jahre 1980 wurde das über dieses Verbundsystem transportierte Wasser zur Stromerzeugung genutzt.

Schutzstatus
Im Jahre 1978 wurden sowohl die aktiven als auch passiven Abschnitte des Oberen Rosenhöfer Kunstgrabens als Teil des Oberharzer Wasserregals unter Denkmalschutz gestellt. Unter der Sammelbezeichnung "Oberharzer Wasserwirtschaft" gehören die historischen Bauten seit 2010 außerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Heutige Nutzung
Die Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Wasserstollen sind noch immer in Gebrauch. Sie leiten das überschüssige Wasser der angeschlossenen Teiche wie eh und je zum einstigen Rosenhöfer Revier. Dort gelangt es in den Ernst-August-Stollen und fließt über zahlreiche weitere Etappen letztendlich in die Nordsee.

Schon seit vielen Jahren werden bedeutende Teile der noch aktiven Abschnitte des Oberen Rosenhöfer Kunstgrabens von unzähligen Wanderwegen erschlossen. Zu diesen gehören z.B. die drei thematischen Wasserwanderwege "Buntenbocker Teiche", "Hasenbacher Teich" und "Prinzenteich / Flambacher Teiche". Am Wegesrand erhalten Sie auf Informationstafeln viel Hintergrundwissen rund um den Wassergraben und die mit ihm verbundenen anderen wasserwirtschaftlichen Bauwerke.


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Die folgenden wasserwirtschaftlichen Bauwerke werden vom Oberen Rosenhöfer Kunstgraben berührt.

Teiche:
Der Bärenbrucher Teich | Der Hasenbacher Teich | Der Obere Flambacher Teich | Der Pixhaier Teich | Der Schwarzenbacher Teich | Der Semmelwieser Teich | Der Untere Flambacher Teich

Wasserläufe:
Der Obere Hasenbacher Wasserlauf | Der Obere Schwarzenbacher Wasserlauf | Der Obere Flambacher Wasserlauf

Weitere Informationen:
Das Oberharzer Wasserregal | Der Rosenhöfer Gangzug | Der Ernst-August-Stollen | Der Wasserwanderweg "Buntenbocker Teiche" | Der Wasserwanderweg "Hasenbacher Teich" | Der Wasserwanderweg "Prinzenteich - Flambacher Teiche"

In der näheren Umgebung befinden sich:
Buntenbock | Clausthal-Zellerfeld

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