Der Jakobsweg im Harz

Wegweiser Jakobsweg im Harz  
Dieses Zeichen weist Ihnen den Weg.  
Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern seit mehr als eintausend Jahren auch nach Santiago de Compostela. Zahlreiche Menschen beschreiten auch noch in unseren Tagen aus den unterschiedlichsten Gründen heraus diese uralten Pfade. Die Pilgerrouten haben daher Ausgangspunkte in fast allen Gegenden Europas und einer dieser weitverzweigten und untereinander vielfach vernetzten Pilgerwege berührt auch die Harzregion. Bis zum Grab des Heiligen Jakobus d. Ä. - einem der 12 Jünger Jesus - sind es vom nördlichen Rand des Gebirges auf der kürzesten Strecke noch etwa 2850 Kilometer Fußweg.

Pilgerregeln und Wege

Santiago ist seit dem um das Jahr 830 gemachten Fund der dem Apostel Jakobus zugeschriebenen Gebeine ein viel besuchter Wallfahrtsort. Jährlich gelangen über 200.000 Pilger in diese sehenswerte Stadt im Nordwesten Spaniens. Die meisten dieser Menschen gehen dorthin klassisch zu Fuß, einige fahren auch auf dem Fahrrad oder sie reiten hoch zu Roß oder auf einem Esel oder sie kommen als Rollstuhlfahrer. Eine Verwendung anderer Transportmittel widerspricht jedoch dem Gedanken des Pilgerns und führt zum Entzug des zum Nachweis der bewältigten Strecke notwendigen Pilgerausweises, womit auch der Erhalt der Pilgerurkunde "Compostela" ausgeschlossen ist.

Schon im Mittelalter bildeten sich typische Pilgerwege heraus, auf denen Menschen aus weit entfernten Regionen Europas ihrem Ziel in Galicien entgegen wanderten. Der Harz lag aber nicht an einer dieser Hauptrouten, weshalb auch der heute am Gebirgsrand entlang verlaufende Teil des Jakobsweges eher eine Nebenstrecke darstellt.

Das europaweite Kennzeichen der Jakobswege ist das Symbol der Jakobsmuschel, eines an der nordspanischen Atlantikküste beheimateten Meereslebewesens. Das typische gelbe strahlenförmige Zeichen auf blauem Grund markiert auch den Verlauf des Jakobsweges im Harz. Schon im Mittelalter war es bei den Pilgern außerdem üblich, nach einem erfolgreichen Abschluß der Pilgertour sich die Schale einer Jakobsmuschel einem Wanderabzeichen gleich an Hut oder Jacke zu heften.

Das Pilgern ist natürlich nicht nur auf den ausgewiesenen Pilgerwegen möglich. Um zum Ziel zu gelangen, können Sie jede erdenkliche Route wählen oder von den offiziellen Wegen mehr oder weniger stark abweichen. Die Entscheidung liegt dabei ganz bei Ihnen und hängt von Ihren individuellen Vorstellungen und Möglichkeiten sowie dem mit dem Pilgern verbundenen Zweck ab.

Historisch folgten die Pilgerwege meist den Handelsrouten oder anderen stark frequentierten Pfaden. Meist gingen die Pilger zum Eigenschutz auch in Gruppen, denn in vergangenen Jahrhunderten war das Reisen recht gefährlich.

So haben sich im Laufe der Zeit diverse Pilgerrouten mit entsprechender Infrastruktur etabliert. In vielen Fällen sind die heutigen Wege gut ausgeschildert. Das verringert die Gefahr, sich in unbekanntem Gebiet zu verlaufen. Auf manchen Wegabschnitten waren einstmals wie auch noch in unseren Tagen gleichzeitig Pilger mit unterschiedlichen Zielen unterwegs, denn Wallfahrtsorte gab und gibt es viele.

Die Pilgerroute im Harzgebiet

Der Jakobsweg im Harzgebiet hat zwei Aussgangsstrecken, über welche Pilger aus entfernteren Regionen hierher gelangen können. Eine dieser Pilgerrouten ist die "Via Baltica", von der in Rostock ein Weg nach Süden über Bad Wilsnack nach Tangermünde abzweigt. Dort vereint sich dieser Pilgerpfad mit dem aus dem Raum Berlin heranführenden Jakobsweg. Gemeinsam führen sie weiter nach Süden und über Magdeburg, Schönebeck, Egeln und dem Kloster Gröningen langsam, aber sicher dem Harz entgegen.

Vom Kloster Gröningen bis zum Kloster Helfta gehen Sie eine Strecke von ungefähr 120 Kilometern Fußweg auf dem Pilgerpfad. Sie können diesen Weg je nach Kondition in vier, fünf oder sechs Etappen aufteilen. Die Bewältigung des Abschnitts im Harzgebiet eignet sich gut als möglicher "Testlauf" für das spätere Beschreiten des "Camino" im Nordwesten Spaniens. Natürlich können Sie aber auch gleich direkt vom Harz bis Santiago de Compostela durchwandern.

Die Stationen im Harzraum

Die erste Station des Jakobsweges, welche man zum Harzgebiet zählen kann, ist das im 11. Jahrhundert gegründete Kloster Huysburg. Nach seiner Auflösung im Jahre 1804 wurde es 1972 neu gegründet und war damit das einzige Benediktinerkloster auf dem Gebiet der DDR. Auch heute leben hier zahlreiche Mönche nach alter Tradition und machen die mittelalterliche Anlage zu einem wichtigen geistlichen Zentrum im Bistum Magdeburg.

Nach Verlassen des Klosters Huysburg wendet sich der Jakobsweg nach Süden und durchquert den Wald des Huy. Über Feldwege geht es weiter bis nach Halberstadt und dort bis zum Dom St. Stephanus. Das eindrucksvolle gotische Gotteshaus wurde von 1236 bis 1491 am Standort eines romanischen Vorgängerbaus errichtet. So sehenswert wie die Architektur des Domes ist auch der einzigartige Domschatz mit seinen zahlreichen byzantinischen Kostbarkeiten.

Der Pilgerweg führt in südlicher Richtung durch Halberstadt zum Landschaftspark Spiegelsberge und anschließend westlich und südlich an den Thekenbergen vorbei. Gesäumt von Feldern, Wiesen und Wäldern geht es für einige Kilometer weiter nach Südosten. Nach der Überquerung der Autobahnbrücke liegt vor Ihnen die alte Fachwerkstadt Quedlinburg. Nun durchqueren Sie die historische Altstadt und stehen bald vor der nächsten Station auf dem Jakobsweg - der im Stil der Romanik erbauten St.-Johannis-Kapelle. Sie war das Gotteshaus eines ehemaligen mittelalterlichen Hospitals - damals noch weit vor den Toren der Stadt.

Anschließend führt der Jakobsweg den Pilger auf einer Strecke unweit der Gleise der Selketalbahn direkt bis an den Rand des Harzes nach Gernrode zur Stiftskirche St. Cyriakus. Der Bau dieses Gotteshauses begann im Jahre 959 unter Markgraf Gero. Es ist heute eines der am besten erhaltenen Gebäude ottonischer Baukunst. Eine Besonderheit stellt die aus dem 11. Jahrhundert stammende Nachbildung des Heiligen Grabes Christi in Jerusalem dar.

Dem Harzrand in östlicher Richtung folgend gelangen Sie auf dem Jakobsweg am Osterteich und an der Roseburg vorbei nach Ballenstedt. Die dortige Kirche St. Elisabeth ist der heiligen Elisabeth von Thüringen gewidmet und entstand erst in den 1930er Jahren im damals modernen Bauhausstil. Hier finden Sie auch eine Pilgerunterkunft.

Nun folgt ein längerer Wegabschnitt ohne Pilgerstationen. Am Wald- und Gebirgsrand entlang verläuft der Jakobsweg in östlicher Richtung über Meisdorf zur Konradsburg, biegt dann nach Süden ab nach Neuplatendorf, Ulzigerode und Alterode, um sich dort dem Fluß Eine folgend nach Nordosten zu wenden. Sie erreichen Harkerode mit der malerischen Burgruine Arnstein und laufen dann weiter über Sylda zum Schloß Walbeck. Dort haben Sie nicht nur das Harzgebirge wieder verlassen, sondern eine weitere Etappe auf Ihrer Pilgerreise geschafft. Sie stehen nach der Passage des kleinen Tierparks vor der evangelischen St. Andreaskirche. Die einstige Patronatskirche des Schlosses Walbeck wurde im 18. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaut.

Der Jakobsweg führt weiter am Ölgrundbach entlang bis Wiederstedt und anschließend nach Hettstedt. Station ist hier die spätmittelalterliche Stadtkirche St. Jakobi mit ihrer barocken Innenausstattung. An diesem Jakobus d. Ä. geweihten Ort finden Sie ebenfalls eine Unterkunft für Pilger vor.

Nun wendet sich der Weg in Richtung Süden und geleitet Sie über Burgörner nach Klostermansfeld. Das Benediktinerkloster St. Marien stellt die letzte Station am unmittelbaren Rand des Harzgebirges dar. Die Kirche des Klosters ist eine dreischiffige Basilika im Stil der Romanik.

Hinter dem Ort Klostermansfeld durchquert der Jakobsweg große Teile des von Relikten des Kupferbergbaus geprägten Mansfelder Landes. Sie passieren die Orte Benndorf und Helbra und laufen anschließend auf Wald- und Feldwegen bis Eisleben. Dort gelangen Sie zunächst zu der im spätgotischen Stil erbauten St.-Annen-Kirche. Das Gotteshaus entstand in den Jahren von 1514 bis 1516 im Auftrag des Grafen Albrecht VII. für die Bergarbeiter.

Eine weitere Station des Jakobsweges in Eisleben ist die im 15. Jahrhundert erbaute Pfarrkirche St. Andreas. Das Bauwerk gehört zu den Wirkungsstätten des Reformators Martin Luther, welcher übrigens das Ziel des Pilgerweges - das Jakobusgrab in Santiago de Compostela - nicht für echt hielt. Von der Kanzel dieser Kirche hielt Luther kurz vor seinem Tod seine letzten Predigten.

Den dritten Anlaufpunkt des Pilgerweges in der Stadt Eisleben stellt das im 13. Jahrhundert gegründete Zisterzienserinnenkloster St. Marien im Ortsteil Helfta dar. Im Jahre 1999 wurde die Klosterkirche wie¬≠der errichtet und neu eingeweiht. Für eine interessante Abwechslung sorgt das "Lebendige Labyrinth" im Klostergarten mit einer Weglänge von rund 350 Metern. Im Gästehaus des Klosters Helfta besteht außerdem die Möglichkeit zu übernachten.

Jenseits von Eisleben verlassen Sie endgültig das Harzer Umland. Der Jakobsweg führt nun über Rothenschirmbach, Sittichenbach, Osterhausen und Gatterstädt nach Querfurt und anschließend weiter nach Mücheln und Freyburg. Dort trifft er auf die Via Regia, einen historischen Handels- und Pilgerweg, auf welchem die Reise nach Santiago de Compostela fortgesetzt werden kann.

Weitere Routen des Jakobsweges in Harznähe

Westlich des Harzes verläuft mit der Via Scandinavica ein bedeutsamer Pilgerweg und eine der Hauptrouten des Jakobsweges in Deutschland. Auf dieser fast 1000 Jahre alten historischen Strecke liefen bereits im Mittelalter die skandinavischen Pilger ihrem Ziel in Santiago de Compostela entgegen - und einige auch noch heute. Die Route führt u.a. durch Bad Gandersheim und kommt an dieser Stelle dem Harz am nächsten. Damit bietet sich vielleicht auch für den Einen oder die Andere ein kurzer Besuch in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge an. Eine interessante Sehenswürdigkeit unweit dieses Wegabschnittes ist z.B. die Gedenkstätte zum Thema "Schlacht am Harzhorn".

Darüber hinaus gibt es noch Nebenrouten des Jakobsweges, welche in den großen Übersichten des Wegenetzes nicht mit aufgeführt sind. Daher finden Sie das gelbe, an eine Sonne erinnernde Symbol der Jakobsmuschel auf blauem Grund auch an Wegen, bei denen Sie dies vielleicht gar nicht vermutet hätten. Eine dieser eher unbekannten Nebenstrecken verläuft z.B. im nördlichen Harzvorland bei Blankenburg. Sie zweigt bei Langenstein von der oben beschriebenen Route ab und verläuft jenseits dieses Ortes neben dem Goldbach, durchquert dann Teile des Heers und anschließend das Birkental. Am Kloster Michaelstein biegt der Pilgerpfad über Heimburg nach Benzingerode ab und folgt für ein gutes Stück Wegstrecke dem Harzer Klosterwanderweg.


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Weitere Informationen:
Das Kloster Huysburg | Halberstadt | Der Dom St. Stephanus zu Halberstadt | Die St.-Johannis-Kapelle in Quedlinburg | Das Stift Gernrode | Ballenstedt | Die St.-Elisabeth-Kirche in Ballenstedt | Hettstedt | Die St.-Jakobi-Kirche in Hettstedt | Das Schloß Mansfeld | Das Mansfelder Land | Klostermansfeld | Die Klosterkirche "St. Marien" in Klostermansfeld | Eisleben | Wandern im Harz | Übernachten im Harz | Der Jakobsweg im Heers | Der Harzer Klosterwanderweg

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