Die Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte

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Die Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte
Mauerreste des Küchentraktes auf dem Gelände der Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte
Am südlichen Stadtrand von Ellrich befindet sich nahe des Bahnhofs die Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte. An dieser Stelle direkt an der Eisenbahnstrecke von Nordhausen nach Herzberg stand in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges ein Konzentrationslager mit Häftlingen aus verschiedenen europäischen Ländern. Das historische Areal ist heute zu jeder Zeit frei zugänglich. Zahlreiche Informationstafeln erläutern die geschichtlichen Hintergründe dieses besonderen Ortes.

Das weitläufige Gelände wird von einem etwa einen Kilometer langen Rundweg erschlossen. Zu einem großen Teil bedeckt heute Wald die Fläche des einstigen Gefangenenlagers. Dieser Wald gehört zu einem Naturschutzgebiet im Gipskarst.

Im Zentrum des historischen Areals befindet sich mit den Kleinen Pontelteich ein unzugänglicher Erdfallsee. Sie sollten die ausgeschilderten Wege zu Ihrer eigenen Sicherheit nicht verlassen. Das gesamte Gelände ist sehr unwegsam und durch die Verkarstung und die damit einhergehenden versteckten Hohlräume das Betreten des Waldes auch nicht ganz ungefährlich. Der südliche Teil des Rundweges gehört zum länderübergreifenden Karstwanderweg.

Heute sind nur noch wenige bauliche Überreste des einstigen Konzentrationslagers vorhanden. Vier Jahrzehnte lang verlief mitten durch das Lagergelände die innerdeutsche Grenze. Daher war dieser historisch bedeutsame Platz in der Zeit der deutschen Teilung kein Ort zum Gedenken oder Besichtigen. Es wurden im Gegenteil sogar auf beiden Seiten der Grenze viele der noch vorhandenen Gebäude des einstigen Lagers abgerissen.

Die Errichtung des Konzentrationslagers Ellrich-Juliushütte erfolgte im Mai des Jahres 1944. Es stellte zunächst ein Außenlager von Buchenwald dar, später ordnete man es unter der alternativen Bezeichnung "Mittelbau II" dem neu entstandenen Lagerkomplex Mittelbau-Dora zu. Die Häftlinge wurden in verlassenen Gebäuden einer ehemaligen Gipsfabrik untergebracht. Später bauten sie auf dem Gelände diverse Baracken - u.a. für das Lazarett, einen Küchentrakt sowie ein Krematorium.

Bis zu 8.000 Gefangene waren zeitweilig in dem völlig überbelegten Außenlager Ellrich-Juliushütte untergebracht. Es fungierte zudem als Sammelstelle für kranke und anderweitig geschwächte Häftlinge aus anderen zum Komplex Dora gehörenden Lagern. Die Infrastruktur der Anlage entsprach nicht einmal ansatzweise den damit verbundenen Erfordernissen. Rund die Hälfte der Häftlinge verstarb in dem einen Jahr des Bestehens des Gefangenenlagers. Das war selbst für ein Konzentrationslager der Nationalsozialisten eine außergewöhnlich hohe Todesrate. Sogar noch in der jüngeren Vergangenheit fand man auf dem Areal bis dahin unbekannte Massengräber mit menschlichen Überresten.

Die Zwangsarbeiter wurden auf diversen Baustellen in der Umgebung eingesetzt, u.a. zur Errichtung der Untertage-Verlagerung "Gneis" im Kammerforst bei Ellrich. Andere arbeiteten ebenfalls am Bau unterirdischer Anlagen, z.B. im Himmelsberg, im Mühlberg und im Kohnstein sowie an verschiedenen weiteren Einsatzorten im näheren Umfeld. Wenige Tage vor dem Eintreffen amerikanischer Truppen Anfang April 1945 transportierte man alle Häftlinge ab und schloss damit das Lager Ellrich-Juliushütte.

Die heutige Gedenkstätte entstand Stück für Stück ab dem Jahre 1989. Das Gelände steht zumindest teilweise als Kulturdenkmal unter besonderem Schutz. Auf Grund seiner geschichtlich bedeutsamen Vergangenheit gilt der Platz vielen Menschen außerdem als sog. "Historiotop".

Die Straße zur Gedenkstätte führt über Betriebsgelände. Unmittelbar vor Ort gibt es keine Parkmöglichkeit. Ihr Auto sollten Sie daher besser schon in einiger Entfernung abstellen. Dafür eignet sich der kleine unbefestigte Platz hinter dem Bahnübergang an der Gipsstraße an der Einmündung der Pontelstraße. Für die Besichtigung der sowohl sehenswerten als auch nachdenklich stimmenden Anlage sollten Sie mindestens eine Stunde Zeit einplanen.

Sie können den Besuch der Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte auch in eine größere Wanderung durch das einzigartige Südharzer Gipskarstgebiet einbinden. Wer auf dem Karstwanderweg unterwegs ist, wird direkt zu dem Gedenkort hin geführt.


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Weitere Informationen:
Bilder von der Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte | Die Untertageverlagerung "Gneis" | Untertage-Verlagerungen und andere Geheimprojekte im Harz | Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora | Der Karstwanderweg

In der näheren Umgebung befinden sich:
Ellrich | Das Naturschutzgebiet "Itelteich" | Der Pontelteich | Walkenried

HARZLIFE.TV-Video:
Die Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte - Auf den Spuren einer dunklen Vergangenheit

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