Der Menhir "Speckseite"

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Der Menhir ''Speckseite''
Die Speckseite steht auf dem Areal einer prähistorischen Grabanlage am Stadtrand von Aschersleben.
Die "Speckseite" ist ein Menhir am östlichen Stadtrand von Aschersleben unweit der Straße nach Groß Schierstedt. Sie ragt etwa 1,90 Meter aus dem Erdboden heraus und reicht ca. einen Meter tief in das Erdreich hinein. Der markante Stein steht auf einer kleinen natürlichen Anhöhe, auf welcher sich als zusätzliche Aufschüttung eine vermutlich frühbronzezeitliche Grabanlage befindet.

Die Speckseite steht unweit des Schnittpunktes dreier historischer Handelsstraßen. Am Fuße des Menhirs wurde ein prähistorisches Steinpackungsgrab entdeckt, dessen Alter Forscher auf etwa 4000 Jahre schätzten. Diese Experten gehen außerdem davon aus, daß die Menschen einst den Grabhügel, das Grab sowie den Menhir als Grab- bzw. Gedenkstein zur gleichen Zeit anlegten. Im Umfeld der vorgeschichtlichen Bestattungsanlage fand man darüber hinaus diverse Grabstätten aus dem Mittelalter.

Den volkstümlichen Namen "Speckseite" erhielt der stellenweise lediglich 30 Zentimeter dicke Menhir auf Grund seiner Gestalt. Er weist außerdem eine glatte und glänzende Oberfläche auf. In der Zeit des Mittelalters diente der Grabhügel obendrein als Gerichtsstätte.

Im Laufe der Zeit ist der Menhir laut alten Chroniken mindestens zweimal umgestürzt. Sowohl Ende des 16. Jahrhunderts als auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts richtete man den Stein anschließend am alten Standort stets wieder neu auf.

Vermutlich erst in der Neuzeit entwickelte sich der Brauch, in den Menhir Nägel einzuschlagen. Dieses Brauchtum entstand der Legende nach dadurch, daß jeder Lehrling und jeder Fuhrmann, welcher erstmals an der Speckseite vorüber kam, von älteren Kollegen dazu gezwungen wurde, in die Ritzen des Steines einen Nagel hineinzuschlagen. Angeblich sollen sich in dem Menhir mehr als eintausend Nägel aus mehreren Jahrhunderten befinden.

Um den Stein ranken sich noch verschiedene weitere abenteuerlich anmutende Geschichten. So wird z.B. behauptet, daß dieser bei Gewittern so weich würde, daß sich ein Nagel ganz leicht in ihn hineintreiben ließe.

Für interessierte Menschen ist die Speckseite relativ leicht zu finden. Der Menhir steht nahe der erwähnten Straße jenseits der Eisenbahnbrücke am Rande einer kleinen Wiese, welche von Bäumen begrenzt wird. Was dem Besucher mit als Erstes - und zwar unangenehm - ins Auge fällt, sind die zahlreichen Inschriften auf dem Stein. Diese verunstalten auf Grund ihrer aufdringlichen Farbe und Größe den Quarzitblock massiv. Leider sind sich manche Mitmenschen der Folgen ihres Tuns nicht bewußt. Zudem steht ja derzeit die Achtung vor den Leistungen der Altvorderen nicht allzu hoch im Kurs. Doch mit Sicherheit wird die Speckseite auch diese Ära überdauern.

 


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Impressionen:
Ein weiteres Foto von der "Speckseite"

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