Die Menhire bei Benzingerode

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Der Menhir bei Benzingerode
Von den Jahrtausenden nur wenig gebeugt steht der Menhir von Benzingerode unerschütterlich an seinem Platz.
Sie müssen nicht bis in die Bretagne reisen, um Relikte der steinzeitlichen Megalith-Kultur betrachten zu können. Es genügt ein Ausflug in die Harzregion, wo es zahlreiche Reste dieser Großsteinbauten gibt. Hier finden Sie u.a. gewaltige monolithische Steinsäulen, welche von den germanischen Ureinwohnern des Harzes (oder deren Vorfahren) senkrecht stehend in der Landschaft platziert worden sind. Ein gewisser Bezug zur Bretagne besteht aber trotzdem, denn diese Steine werden "Menhire" genannt. Dieser bretonische Name bedeutet soviel wie "Langstein" bzw. "Langer Stein". In Deutschland werden die überdimensionalen Monolithen auch oft als "Hinkelsteine" bezeichnet.

Der größte und bekannteste Harzer Menhir ist der bei Benzingerode im nördlichen Harzvorland. Sein Alter wird auf etwa 4000 bis 5000 Jahre geschätzt. Er steht seit dieser Zeit mitten auf einem Feld und hat eine Gesamthöhe von etwa 4,50 Meter. Im Verlauf der Jahrtausende hat er sich nur geringfügig zur Seite geneigt.

Im Rahmen des Neubaus der Bundesstraße 6 wurden ganz in der Nähe zwei weitere Megalith-Steine an ihrem vorherigen Standort wieder neu errichtet. Es handelt sich um den Heimburger Menhir am Ufer des Hellbachs südlich dieser neuen Bundesstraße und um den Derenburger Menhir nördlich der Straße.

Der Heimburger Menhir galt als verschollen und konnte bei den Straßenbauarbeiten wiederentdeckt werden. Am vermuteten Originalstandort wurde dieser große Monolith nach Fertigstellung der Straße wieder aufgestellt. Er ragt etwa 2,20 Meter aus der Erde heraus.

Der Derenburger Menhir befindet sich heute nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz. Etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts versetzten ihn die Besitzer des angrenzenden Ackerlandes um mehrere Meter, da er die Feldarbeiten behinderte. Als Folge unsachgemäßer Aufstellung begann er sich bald zu neigen und mußte mit dicken Holzstämmen abgestützt werden. Auch für diesen Menhir erwies sich der Neubau der Bundesstraße 6 als günstiger Umstand, konnte er doch bei dieser Gelegenheit wieder senkrecht aufgestellt werden. Damit er auch von der Straße aus besser gesehen werden kann, wurde der rund drei Meter hohe und etwa zwei Meter breite, aber lediglich 60 Zentimeter dicke Derenburger Menhir um 90 Grad gedreht. Ebenso wie dieser Menhir sind auch die beiden anderen von der neuen Bundesstraße 6 aus gut zu erkennen.

Die ursprüngliche Bedeutung der drei Menhire ist bis heute nicht geklärt. Von den einschlägigen Fachleuten werden - wie in solchen Fällen üblich - Verwendungen als Grabanlagen bzw. Ahnengedenkstätten oder Orte eines Fruchtbarkeitskultes vermutet. Da die Steine aber nicht zufällig an ihren Plätzen stehen und sich noch heute gewisse Beziehungen zwischen diesen eindrucksvollen "Hinkelsteinen" und anderen geografisch markanten Punkten herstellen lassen, kann wohl von einer wesentlich bedeutsameren Bestimmung ausgegangen werden. Möglicherweise waren die Menhire Teile eines Kalenders oder hatten einen anderweitigen astronomischen Bezug. Mit Sicherheit stellten die großen Monolithe aber auch sehr gute Bezugs- und Orientierungspunkte im Gelände dar.

Alle drei Menhire bestehen aus Senon-Quarzit und stammen aus einem Steinbruch in der Nähe von Heimburg. Obwohl sich unweit dieser Steine der Rastplatz "Regensteinblick" der Bundesstraße 6 befindet, müssen Sie das eingezäunte Gelände dieser Fernstraße verlassen, um zu diesen steineren Zeugen der Vorzeit zu gelangen. Die Megalithen sind nur über kleine Nebenstraßen und gut ausgebaute Feldwege zu erreichen.

Im näheren Umkreis der Nordharzer "Hinkelsteine" bei Benzingerode befinden sich außerdem mehrere Gräber mit ebenfalls vorgeschichtlichem Ursprung sowie diverse weitere archäologische Fundstätten.

 


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Weitere Informationen:
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