Die Butterhanne

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Die Butterhanne

Das "Brusttuch" ist ein bekanntes und reich verziertes Patrizierhaus in Fachwerkbauweise mitten in der historischen Altstadt von Goslar. Eine Schnitzerei an der Fassades dieses Gebäudes gibt uns heute Lebenden einen Einblick in die Gedankenwelt der mittelalterlichen Agrargesellschaft.

Seinerzeit - und nicht nur seinerzeit - wurden schwer zu erklärende oder schwer zu akzeptierende Umstände oftmals als Wirken dunkler Mächte gedeutet. Diese Kräfte der Finsternis sorgten nicht nur für Ernteausfälle und Krankheiten bei Mensch und Tier, sondern griffen auch in die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte ein.

So war einstmals die Herstellung von Butter eine sehr anstrengende Arbeit, welche zudem oft nicht von Erfolg gekrönt war. Was lag da für das Volk näher, als diese Tätigkeit mit magischen Kräften bzw. dem Einfluß von Hexen oder dem Teufel in Verbindung zu bringen?

Angeblich setzten die Butterhexen Zaubersprüche oder vom Teufel erhaltene Hilfsmittel ein, um das Werk erfolgreich zu beenden. Wer es allein versuchte, arbeitete oft vergeblich. Gegen eine mit Blut vollzogene Unterschrift half der Pferdefüßige oder eine seiner Gehilfinnen aber gerne bei der mühevollen Tätigkeit nach.

Das so geschaffene Produkt war aber minderwertig. Nach der Berührung mit einem Kreuz offenbarte sich seine wahre Gestalt: Die Hexenbutter verwandelte sich in Dung oder Abfall und verlor somit jegliche sinnvolle Gebrauchseigenschaft.

Die Goslarer Butterhanne stellt eine idealisierte Gestalt dar, welche sich nicht auf einen derart zweifelhaften Handel einließ. Sie butterte erfolgreich allein ohne die Hilfe dunkler Kräfte. An dem eingangs erwähnten Bauwerk ist sie bei ihrer Arbei zu sehen. Um Unheil von ihrer Butter abzuwenden, zeigt sie dem Teufel auf der benachbarten Knagge ihr entblößtes Hinterteil.

Das in unseren Tagen als Hotel und Restaurant genutzte "Brusttuch" mit der Butterhanne befindet sich nahe der Marktkirche. Die volkstümliche Figur gilt als eines der heimlichen Wahrzeichen der Stadt Goslar.


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