Der Dammgraben

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Der Dammgraben
Ein originalgetreu restaurierter Abschnitt des Dammgrabens mit Fehlschlag
Die Oberharzer Bergleute legten im Verlauf mehrerer Jahrhunderte unzählige Wassergräben an. Diese hatten die Aufgabe, das Wasser der zahlreichen Gebirgsflüsse in die extra dafür geschaffenen Stauteiche zu leiten. Von dort wurde das Wasser auf die Kehr- und Kunsträder der Bergwerke geleitet, um damit die unterschiedlichsten Maschinen anzutreiben.

Aus der großen Anzahl dieser vielen in mühsamer Handarbeit erschaffenen Kanäle hebt sich ein Graben besonders hervor. Dieser Dammgraben genannte Wassergraben ist der längste von allen, seine Bauzeit zog sich über mehr als ein Jahrhundert hin und sein Einzugsbebiet übertraf das der anderen Gräben bei weitem. Einschließlich aller Verzweigungen und Zuläufe war das System des Dammgrabens das umfangreichste im gesamten Harz. Kein anderer Wassergraben spielte eine so bedeutende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Oberharzer Bergbaus wie der Dammgraben.

Das Dammgrabensystem ist in seiner Gesamtheit einzigartig auf der Welt. Im Verlauf von etwa 150 Jahren wurde es ständig erweitert und optimiert. Das Gesamtsystem erfüllt seine Aufgabe noch immer, nicht mehr benötigte und im Laufe der Zeit stillgelegte Streckenabschnitte befinden sich bis heute in einem meist recht guten Zustand. Der Dammgraben kann ohne Zweifel als herausragendes Kulturdenkmal bezeichnet werden. Alle zugehörigen Anlagen stehen schon seit längerer Zeit unter Denkmalschutz und stellen einen wesentlichen Bestandteil des Wasserwirtschaftssystems Oberharzer Wasserregal dar.

Im Osten reichen die Ausläufer des Dammgrabens bis an das Brockenfeld am Fuße des Quitschenberges und im Westen bis zu den Stauteichen am östlichen Ortsrand von Clausthal-Zellerfeld heran. Der eigentliche Dammgraben mißt heute in der Länge etwa 19 und das Gesamtsystem rund 49 Kilometer. Dabei legt das Wasser je nach Einleitungsort bis zu 3750 Meter in unterirdischen Wasserläufen zurück.

Der Dammgraben beginnt offiziell mit der Ableitung des Wassers des kleinen Baches Blochschleife westlich von Torfhaus. Kurz darauf fließt ihm das über den Abbegraben entnommene Wasser der Abbe zu, ebenso wie das im Flörichshaier Graben gesammelte Wasser verschiedenene kleiner Gebirgsbäche zwischen Torfhaus und dem Oderteich. Nach der anschließenden Durchquerung der beiden zusammen etwa 400 Meter langen Kellwasser-Überleitungsstollen mündet der Nabetaler Graben in den Dammgraben ein. Dieser Punkt wird auch als die "Wiege des Dammgrabens" bezeichnet. Von dort schlängelt sich das Wasser den Höhenlinien folgend in südwestlicher Richtung weiter und fließt südlich an Altenau vorbei in Richtung Sperberhai. Kurz vor dem Sperberhaier Damm befindet sich die Einmündung des aus Süden herannahenden Morgenbrodstaler Grabens. Im Anschluß daran überquert der Dammgraben das zentrale Bauwerk des gesamten Grabensystems - den Sperberhaier Damm.

Der Sperberhaier Damm ist das Kernstück des Dammgrabens. Von diesem leitet sich auch der Name des Grabens und des gesamten Grabensystems ab. Erst dieser über eine bis dahin unüberwindbare Senke führende Damm ermöglichte es, Wasser aus dem Brocken- und Bruchberggebiet bis nach Clausthal-Zellerfeld fließen zu lassen. Die Fertigstellung dieses großartigen Bauwerks im Jahre 1734 war somit auch die Geburtsstunde des Dammgrabens.

Westlich des Sperberhaier Dammes erfolgt nach wenigen hundert Metern die Einmündung des Grabenwassers in den 780 Meter langen Rotenberger Wasserlauf, während der ursprüngliche (Alte) Dammgraben um den Berg herumführt. Dieser Wasserstollen ist nur einer von zahlreichen, meist erst viele Jahrzehnte später erschaffenen unterirdischen Abkürzungen mitten durch den Berg. Einige von ihnen wurden ihrerseits wiederum durch andere, den Grabenverlauf noch stärker verkürzende Wasserläufe ersetzt - wie z.B. der durch den Rotenberger Wasserlauf überflüssig gemachte Kalte Küche Wasserlauf.

Nach dem Verlassen des Rotenberger Wasserlaufes fließt das Wasser zurück in die Rinne des alten Dammgrabens, bevor es nach etwa einem Kilometer erneut in einen unterirdischen Kanal eintritt. Dieser heißt Coventhaier Wasserlauf, ist ca. 540 Meter lang und endet südöstlich des Fortuner Teiches. Oberhalb dieses Teiches folgt das Wasser wiederum für einige hundert Meter einem noch heute benutzten Teilstück des ursprünglichen Dammgrabens bis zur Einmündung in den rund 1040 Meter langen Neuen Dietrichsberger Wasserlauf. Der Name sagt es bereits aus - es gab auch einen Alten Dietrichsberger Wasserlauf, welcher deutlich kürzer war als der "Neue".

Kaum hat das kostbare Naß das untere Mundloch dieses Wasserlaufes verlassen, wird es schon wieder vom nächsten unterirdischen Stollen aufgenommen, dem 360 Meter langen Bielenwieser Wasserlauf. Wieder ans Tageslicht zurückgekehrt, endet der Dammgraben östlich von Clausthal-Zellerfeld mit einer Grabenteilung. Ein Teil des Dammgrabenwassers fließt von hier durch den 470 Meter langen Mönchsthaler Wasserlauf in den Oberen Hausherzberger Teich, der andere Teil gelangt über den rund 630 Meter langen Franz-Auguster-Wasserlauf in den Unteren Pfauenteich.

Es gibt eine Vielzahl von Wanderwegen, auf denen Sie den Dammgraben und seine zahlreichen Ausläufer zu Fuß erkunden können. Bedingt durch die komplexe Struktur dieses Grabensystems ist es aber nicht möglich, alle zugehörigen wasserwirtschaftlichen Anlagen auf einem einzigen Weg kennenzulernen. Im allgemeinen sind die Wanderwege entlang des Dammgrabens recht bequem, denn der Höhenunterschied zwischen den bedeutendsten Objekten ist nur gering. Von der "Wiege des Dammgrabens" nahe Torfhaus bis zur Einmündung in den Oberen Hausherzberger Teich bei Clausthal-Zellerfeld fließt das Wasser lediglich 60 Meter bergab.

 


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Weitere Informationen:
Bilder vom Dammgraben | Das Oberharzer Wasserregal | Wandern im Harz | Der Wasserwanderweg "Alter Dammgraben" | Tipp: Eine Wanderung am Dammgraben

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