Der 30jährige Krieg

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30jähriger Krieg - Historischer Gedenkstein
Historischer Gedenkstein an der Bundesstraße 248 bei Lutter am Barenberge
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 gehört zu den einschneidendsten Ereignissen in der gesamten deutschen Geschichte. In diesen drei Jahrzehnten wurden weite Landstriche völlig verwüstet und entvölkert und die Entwicklung Deutschlands um viele Jahrzehnte zurückgeworfen. Manche zuvor bedeutsame Orte wie z.B. die Stadt Magdeburg erreichten erst nach Jahrhunderten wieder die Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl der Vorkriegszeit. Die Auswirkungen des Krieges sind bis in die Gegenwart hinein zu spüren.

Der 30jährige Krieg - das war kein in sich geschlossenes Kriegsgeschehen, sondern eine Abfolge mehrerer, teilweise parallel verlaufender Teilkriege mit unterschiedlichen Kriegsparteien sowie separaten Friedensschlüssen zwischen diesen. Die Harzregion als ein deutsches Kernland befand sich mitten im Kriegsgebiet, wobei die ersten sechs Jahre des 30jährigen Krieges das Gebirge und sein Umfeld weitestgehend verschonten. Zunächst fanden die militärischen Auseinandersetzungen vorwiegend im süddeutschen bzw. böhmisch-österreichischen Raum statt. Dies änderte sich ab Juli 1625 mit dem Eintritt Dänemarks in das Kriegsgeschehen. Das Umland des Harzes wurde von nun an mehr als zwei Jahrzehnte lang von den Truppen der unterschiedlichsten Kriegsparteien heimgesucht.

Im Gegensatz zum Harzvorland waren wesentliche Teile der Kernzone des Harzes u.a. auf Grund geografischer Begebenheiten nicht unmittelbar betroffen und somit weitesgehend von den direkten Kriegseinwirkungen verschont. Dies ist bemerkenswert, denn nur wenige Kilometer entfernt wurden entscheidende Schlachten wie die bei Lutter am Barenberge geschlagen. Dennoch hatte der 30jährige Krieg massive Auswirkungen auf die Harzer Wirtschaft, vor allem auf den Bergbau im Oberharz. Die Harzberge dienten außerdem der Zivilbevölkerung des bevölkerungsreichen Harzvorlandes als Rückzugsgebiet.

Ein weiteres Phänomen stellte die Partisanenbewegung der Harzschützen dar. Diese vor allem aus einheimischen Bauern, Handwerkern und Bergleuten bestehende lose Vereinigung bekämpfte die in die Harzregion eingedrungenen Söldner aller Kriegsparteien. Die Harzschützen entstanden als Gegenreaktion auf das brutale Vorgehen der oft schlecht versorgten Truppen, welche auch mangels Bezahlung und ausreichender Verpflegung die besetzten Gebiete ausplünderten und so unvorstellbares Leid hervorriefen. Auf diese Weise sorgten die meist aus dem Hinterhalt agierenden Harzschützen dafür, daß sich die großen Armeen kaum in die für sie gefährliche Gebirgsregion hineinbegaben. Die Partisanen wurden von der Zivilbevölkerung unterstützt, aber auch von einigen Städten und Dörfern im Harz sowie im Harzvorland. Besonders hervor tat sich hierbei die Freie Reichsstadt Nordhausen, welche die Kämpfer mit Verpflegung und Geld versorgte und ihnen Unterschlupf gewährte. Die Rache der Söldner war schrecklich und erbarmungslos. So wurde z.B. der Flecken Benneckenstein am 11. Juli 1627 von den kaiserlichen Truppen vollständig niedergebrannt.

Die Soldaten aller Kriegsparteien verhielten sich gegenüber der Zivilbevölkerung besonders grausam und rücksichtslos. Eine Ursache hierfür war die Art und Weise des Zustandekommens einer solchen Armee. Es gab seinerzeit aus Kostengründen kein stehendes Heer, sondern die benötigten Kämpfer wurden erst bei Bedarf rekrutiert. Als Söldner meldeten sich Menschen aus allen Schichten und darunter auch nicht wenige zwielichtige Gestalten. Oft wurden auch - wie z.B. durch Ernst von Mansfeld - von Privatleuten Armeen zusammengestellt und deren Schlagkraft einer Kriegspartei als Dienstleistung angeboten. Als Bezahlung dienten Zwangsabgaben der besetzten Gebiete und Kriegsbeute. Wenn das nicht ausreichte - was meistens der Fall war - nahmen sich die schwer bewaffneten Männer, was sie nur irgendwie bekommen konnten. Doch auch die Truppen der katholischen Liga und die von Wallenstein geworbenen Söldner verhielten sich nicht wesentlich anders. Der Kaiser war stets knapp bei Kasse und konnte oft weder den Sold zahlen noch eine angemessene Verpflegung für die bis zu 60.000 Mann starke Armee bereitstellen. Unter diesen Umständen ist es wenig verwunderlich, daß es immer wieder zu unvorstellbaren Gewaltexzessen kam.

Am Fuße der Harzberge zwischen den Orten Hahausen und Lutter am Barenberge wurde im August 1626 eine der blutigsten und bedeutendsten Schlachten des gesamten 30jährigen Krieges geschlagen. Die Schlacht endete mit einem Sieg der kaiserlichen Truppen, bestehend aus der Liga-Armee unter Tilly und Teilen von Wallensteins Söldnern. Diese schlugen die verbündeten Regimenter der Dänen unter König Christian IV. und der Armee des niedersächsischen Reichskreises in die Flucht. Je nach Quelle blieben zwischen 4.200 und 8.000 Tote auf dem Schlachtfeld und die Kaiserlichen machten mehrere tausend Gefangene aus dem Lager der Protestanten. Die Schlacht bei Lutter am Barenberge stellte eine Vorentscheidung in der Auseinandersetzung des Kaisers mit Dänemark dar, welches knapp drei Jahre später im Lübecker Frieden für rund 14 Jahre aus den Kampfhandlungen ausschied.

Bemerkenswert bei diesem Separatfrieden war, daß durch die geschickte Diplomatie Wallensteins für den Dänenkönig angesichts dessen schlechter militärischer Situation vergleichsweise vorteilhafte Bedingungen zustande kamen. Christian IV. war in der Folgezeit eher kaiserfreundlich gestimmt und griff im Jahre 1643 erneut - diesmal auf der Seite des Kaisers, in den 30jährigen Krieg ein. Doch Diplomatie war seinerzeit von vielen der handelnden Personen gar nicht erwünscht, was den oftmals greifbaren Frieden immer wieder in weite Ferne rücken lies. Die Brutalität der ersten Kriegsjahre war im späteren Verlauf sogar noch steigerbar. Nach der Ermordung Wallensteins begann eine militärisch meist belanglose, aber für das deutsche Volk bisher nie dagewesene, von den fremden Söldnern verursachte Zeit von Gesetzlosigkeit, Willkür und Grausamkeit. Die 30er und 40er Jahre des 17. Jahrhunderts haben sich wie kaum eine andere Ära tief in das Langzeitgedächtnis des Volkes eingebrannt.

Noch während des 30jährigen Krieges und verstärkt nach Kriegsende setzte eine umfangreiche literarische Aufarbeitung der traumatischen Ereignisse ein. Als ehemaliger Söldner und somit unmittelbarer Zeitzeuge des Krieges schrieb Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen seinen bis heute gelesenen Roman "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch", in welchem die vom 30jährigen Krieg gezeichnete Gesellschaft sowie das Leben während des Krieges aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wird. Schon mit einem deutlichen zeitlichen Abstand erschien die Wallenstein-Trilogie von Friedrich von Schiller sowie dessen bedeutendes historisches Werk über die "Geschichte des 30jährigen Krieges" mit einer Darstellung der Schlachten, Feldherren u.v.m.. Im 20. Jahrhundert entstand der Roman von Otto Gotsche "Und haben nur den Zorn". Dessen Handlung ist im Ort Rieder im nördlichen Harzvorland angesiedelt. Das Werk beschreibt die Grausamkeiten des Krieges aus Sicht des einfachen Volkes.

An vielen Orten im Harzgebiet gibt es noch heute Plätze der Erinnerung und des Gedenkens an Opfer und Ereignisse im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg. Selbst in unseren Tagen finden Bauern beim Pflügen gelegentlich Kriegsgerät aus jener Zeit - u.a. steinerne Kanonenkugeln, aber auch Waffen wie Schwerter und Säbel.

 


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