Venediger im Harz

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Mönchstein bzw. Venedigerstein
Markante Felsritzung auf dem Mönchstein bzw. Venedigerstein bei Schierke
Unzählige Harzer Sagen ranken sich um die sog. Venediger oder Walen. Diese sich sonderbar verhaltenden Männer kamen von weit her und unterschieden sich schon rein äußerlich deutlich von der einheimischen Bevölkerung. Die Altvorderen vermuteten in den Fremdlingen meist Schatzsucher, denn vom Bergbau schienen sie nur wenig zu verstehen. Dennoch werden sie in den Sagen als sehr erfolgreich bei ihrem geheimnisvollen Tun beschrieben, was vom Volk seinerzeit als Beweis für Bündnisse mit höheren Mächten gesehen wurde. Doch während die Obrigkeit recht gut über die Interessen der Venediger informiert war, fehlten den einfachen Menschen diese Kenntnisse. Folglich suchten sie nach Antworten für das Unerklärbare.

Um dem Glas aus Murano seine einzigartige Färbung zu verleihen, waren diverse exotische Ingredienzen nötig. Auf der Suche nach diesen seltenen Mineralen gelangten die Abgesandten der venezianischen Glasindustrie im 15. und 16. Jahrhundert auch in den Harz. An zahlreichen Stellen in diesem Gebirge wurden sie fündig und markierten die betreffenden Orte mit einer seltsamen Symbolik. Die Venediger bzw. "Walen", wie sie auch genannt wurden, notierten ihre bergbaulichen Erkenntnisse in sog. "Walenbüchern".

Die Fremden verhielten sich auch sonst auffällig, weshalb die einheimische Bevölkerung diesen allerlei magische Kräfte zuschrieb. Angeblich verfügten sie über besondere Fähigkeiten bei der Erzsuche, waren zu unkonventionellen Ortswechseln in der Lage und - wenig überraschend - mit dem Teufel im Bunde. Zwar trieben die Venediger gelegentlich auch Handel mit den Bewohnern des Harzes, doch ihr wirkliches Interesse galt den in den Bergen verborgenen Erzen.

Hierbei verhielten sich die fremden Männer besonders seltsam, was in Verbindung mit ihrem merkwürdigen Auftreten zum Anlaß für viele Sagen wurde. So suchten sie scheinbar weder nach Gold oder Silber, sondern nach in den Augen der Harzer wertlosem Material. Daher glaubten diese, daß nur die Venediger die Schätze erkennen konnten. Die Einheimischen dagegen sahen an der gleichen Stelle nur taubes Gestein. Das es dabei nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, lag auf der Hand.

Wenn Bergleute oder andere Harzbewohner die Venediger bei ihrem Treiben beobachteten, sollen diese bei Verschwiegenheit meist reichlich belohnt worden sein. Nur selten ließen die fremden Männer die Einheimischen an ihren magischen Fähigkeiten teilhaben. Diese Privilegien waren meist an Bedingungen geknüpft, bei deren Nichteinhaltung sie erloschen oder andere Strafen drohten. Oft verschwanden dann reichhaltige Erzadern urplötzlich und die Fremden ließen sich nie wieder blicken. Gelegentlich wurde auch ein Bewohner des Harzes von den Fremden nach Venedig entführt, dort reich beschenkt oder in Geheimnisse eingeweiht.

Ein möglicher Hintergrund für die üppige Beteiligung an der "Schatzsuche" dürfte gewesen sein, daß sich die Venezianer die Verschwiegenheit der Mitwisser erkauften, denn bereits im späten Mittelalter galt in den deutschen Ländern Bergrecht, gegen welches sie offenkundig verstießen.

Vereinzelt findet man im Harz auch heute noch Spuren der sagenhaften Venediger. An mehreren Stellen in diesem Gebirge gibt es sog. "Venedigersteine" mit eigentümlichen Felsritzungen. Einer der bekanntesten und auffälligsten von diesen ist der Mönchstein bei Schierke. Deutlich kann man auf ihm eine Figur mit Gesicht, Kopfbedeckung und Hand erkennen, welche in Richtung des Fundortes des Erzes zeigt.

 


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Weitere Informationen:
Sagen aus dem Harz | Der Mönchstein (Venedigerstein) bei Schierke

HARZLIFE.TV-Video:
Eine Wanderung zum Venedigerstein

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