Die Sage vom Gänseschnabel und dem Mönch

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Der Gänseschnabel
Seit Menschengedenken steht der Gänseschnabel auf einem Felssporn hoch über dem Behretal.
Viele Jahrhunderte lang gab es am nördlichen Ortsrand von Ilfeld ein Kloster. Die dort lebenden Mönche mußten sich an strenge Regeln halten und durften das Klostergelände nicht eigenmächtig verlassen.

An der Klostermauer ging täglich ein junges Mädchen mit einer Schar Gänse vorbei. Es hatte langes blondes Haar, war aber sehr arm. Als Waisenkind mußte es für seinen Lebensunterhalt die Gänse fremder Leute hüten. Dafür bekam das Mädchen nur einen sehr geringen Lohn, von welchem es sich keine neuen Kleider kaufen konnte. An kalten Herbsttagen fror sie daher in ihrem alten grauen Kittel und ging besonders betrübt ihrem Tagwerk nach.

Ein Mönch beobachtete dies lange Zeit und überlegte, wie er dem im ganzen Ort als "Gänseliesel" bekannten Mädchen helfen könnte. Eines Tages folgte er ihr und den Gänsen trotz Verbot in den Wald. Das Gänseliesel freute sich, daß es jemanden gab, der sich um sie bemühte. Beide verliebten sich ineinander und trafen sich von nun an täglich heimlich im Wald. Den Menschen blieb diese Liebe verborgen, nur die Waldgeister erfuhren davon.

Nun geschah es aber an einem unglückseligen Tag, daß der Mönch am Hang des Behretales stand und seinem Gänseliesel auf der gegenüberliegenden Seite zuwinkte. Da schlich sich eine böse Hexe an ihn heran. Außerhalb der Klostermauern hatte sie Gewalt über ihn. Die Hexe verzauberte den Mönch mit lautem Getöse in eine Steinsäule.

Als dies das Gänseliesel bemerkte, begann sie bitterlich zu weinen. Daraufhin verwandelte die Hexe auch sie in einen Felsen, welcher fortan Gänseschnabel genannt wurde.

Noch heute stehen sich die beiden Liebenden am Ausgang des Behretales gegenüber und können sich doch nicht erreichen. Durch das tief in das Gebirge eingeschnittene Flußtal getrennt warten sie auf die Erlösung von dem bösen Zauber.

 


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