Kirche St. Wiperti und Wipertifriedhof

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St.-Wiperti-Kirche in Quedlinburg
Die St.-Wiperti-Kirche
Südwestlich des Quedlinburger Burgberges befinden sich die St.-Wiperti-Kirche und der umgebende Wipertifriedhof. Es handelt sich um eine recht ungewöhnliche Sehenswürdigkeit, bestehend aus einem mittelalterlichen Kirchenbauwerk und einem teilweise in Form von Grüften angelegten historischen Friedhof. Das Gotteshaus ist eine wichtige Station auf der Straße der Romanik und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Quedlinburg.

St. Wiperti wurde vermutlich in der Mitte des 9. Jahrhunderts als Außenposten des Klosters Hersfeld gegründet. Bereits zu dieser Zeit erfolgte der Bau einer ersten einfachen Kirche, von der heute allerdings nichts mehr vorhanden ist.

Nach dem Jahre 919 wurde das Gelände zum Königshof ausgebaut und war in den folgenden Jahrzehnten häufiger Aufenthaltsort der deutschen Könige. In diese Ära fällt die Errichtung einer neuen dreischiffigen kreuzförmigen romanischen Basilika am Standort des ersten Gotteshauses. Um die Jahrtausendwende wurde in das Gebäude eine Krypta eingebaut. Dieses Meisterwerk romanischer Baukunst besteht bis heute.

In der Folgezeit entstand um die St.-Wiperti-Kirche ein freies Kanonikerkonvent, welches um das Jahr 1148 Prämonstratenser übernahmen. Kurz darauf begannen umfangreiche Neu- und Umbauten. Diese betrafen auch das Gotteshaus. Dieses erhielt zu jener Zeit in wesentlichen Teilen sein heutiges Antlitz. Es folgte eine lang anhaltende wirtschaftliche Blütezeit des Klosters, welche nur kurzzeitig durch diverse Auseinandersetzungen unterbrochen wurde. Zahlreiche romanische und gotische Gebäude und Gebäudeteile aus dieser Epoche haben sich bis in unsere Tage hinein erhalten.

Der Bauernkrieg im Jahre 1525 setzte dem erfolgreichen Wirtschaftsbetrieb des Prämonstratenserordens ein jähes Ende. Das Wipertikloster wurde geplündert und verwüstet. Ein geplanter Wiederaufbau fand nicht statt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde es auch formale aufgehoben. Im Zuge der Reformation erfolgte eine Umwidmung des Gotteshauses der Prämonstratensermönche in eine evangelische Pfarrkirche.

Während des Dreißigjährigen Krieges gab es den Versuch der Wiedererrichtung des Klosters. Dieses Vorhaben scheiterte aber nicht zuletzt auch an dem damals für die kaiserliche Seite ungünstigen Kriegsverlauf. Etwa zu dieser Zeit begann man mit der Anlage der ersten Grüfte, was somit zur Entstehung des Wipertifriedhofs führte. Seine herausragende Besonderheit besteht in der terassenförmigen Anlage mit begehbaren Gewölben auf teilweise zwei Etagen. In diesen befinden sich die letzten Ruhestätten der Verstorbenen.

Im 17. Jahrhundert wurde die St.-Wiperti-Kirche restauriert und im Stil des Barock umgestaltet. Um das Jahr 1816 begann eine rund eineinhalb Jahrhunderte währende Zweckentfremdung der ehemaligen Klosterkirche samt Krypta. Erst in den 1950er Jahren konnte das Gotteshauses saniert und seit 1959 wieder einer Nutzung durch die katholische St.-Mathildes-Gemeinde zugeführt werden.

Seit dem Jahre 1994 steht die Wipertikirche auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Ein Förderverein bemüht sich um die weitere Sanierung und die detailliertere Erforschung des einstigen Klosterareals. Besichtigungen sind im Zeitraum von April bis September täglich außer sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr möglich.

 


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Weitere Informationen:
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