Das Kloster Wendhusen in Thale

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Das Kloster Wendhusen in Thale
Der fünfgeschossige Wohnturm (Westwerk der einstigen Stiftskirche - auch "Wendhusenturm" genannt) ist das bekannteste und markanteste Bauwerk auf dem Klostergelände.
Im Nordosten der Stadt Thale befindet sich im historischen Siedlungskern das ehemalige Kloster Wendhusen. Es gilt als ältestes Kloster auf dem Gebiet des Bundeslandes Sachsen-Anhalt und stellt sowohl eine Station auf dem Harzer Klosterwanderweg als auch auf der Straße der Romanik dar. Diese bedeutende Sehenswürdigkeit enthält an einigen Stellen noch Bausubstanz aus der Zeit der Karolinger.

Das Wendhusen-Kloster wurde im Umfeld einer karolingischen Festungsanlage um das Jahr 825 als Kanonissenstift von Gisla, der ältesten Tochter des ostsächsischen Grafen Hessi gegründet. Die erste Äbtissin war Gislas Tochter Bilihilt. Bereits in seiner Frühzeit erhielt das Stift zahlreiche Bestitztümer zugesprochen. Schon bald erfolgte der Bau von Klausurgebäuden sowie um 840 die Errichtung einer der heiligen Pusinna geweihten ersten Stiftskirche.

Die Stifterfamilie war eng mit dem damaligen Hochadel verbunden und die Frauen im Kanonissenstift entstammten ebenfalls angesehenen Adelshäusern. Das Stift Wendhusen galt daher als besonders elitär, zumal es außerdem enge Beziehungen zu anderen bedeutenden Klöstern der Karolingerzeit unterhielt. Nach dem Jahre 936 erfolgte von hier aus eine aktive Mitwirkung am Aufbau des Reichsstiftes im nahen Quedlinburg.

Um 1120 übernahm das Stift der Regelungen der Augustiner. Aus dieser Ära stammt das noch heute vorhandene imposante Westwerk der Stiftskirche. Dieses wurde vermutlich um das Jahr 1160 errichtet.

Das massive Bauwerk verfügte über drei Ebenen mit unterschiedlicher Bestimmung. Die Obergeschosse dienten vermutlich auch Wohnzwecken. Eine einzigartige Besonderheit in diesem Bau stellt eine Damenstiftsempore aus dem 9. Jahrhundert dar.

Die mehr als 30 Meter lange Kirche und weitere Klostergebäude wurden im Jahre 1525 während des Bauernkrieges geplündert und anschließend in Brand gesetzt. Das Kloster erholte sich von diesen Zerstörungen nicht mehr. In der Folgezeit löste man es daher auf. Ein großer Teil der Ruinen verfiel bzw. erhielt als Baumaterial eine neue Bestimmung.

Das Klostergelände erfuhr in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg eine Umwandlung in ein preußisches Rittergut. Als solches hatte es Bestand bis zum Jahre 1945.

In unseren Tagen befinden sich in den historischen Mauern ein Klostermuseum sowie ein Museumscafé. Das Areal verfügt über darüber hinaus über umfangreiche und zu großen Teilen frei zugängliche Außenanlagen. Sie finden hier u.a. einen Teich, einen Kräutergarten und ein Pflanzenmemory. Vom einstigen Klostergelände gibt es obendrein einen Durchgang zur benachbarten St.-Andreas-Kirche.

 


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