Der Sachsengott Krodo

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Krodo-Statue  
Die Krodo-Statue auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg  
Auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg steht unweit der Bergstation der Burgbergseilbahn eine übermannsgroße Figur des sächsischen Gottes Krodo. Unmittelbar hinter der Statue befindet sich die um 1902 erbaute Brücke, welche den nach 1150 angelegten Abschnittsgraben überspannt. An dieser Stelle beginnt außerdem der historische Rundwanderweg. Das Standbild des germanischen Gottes ist somit kaum zu übersehen.

Die Figur aus Edelstahl ist einer Abbildung aus der im Jahre 1492 veröffentlichten "Sachsenchronik" nachempfunden. In diesem historischen Werk wurde die Gottheit Krodo erstmals in einem der Nachwelt erhalten gebliebenen Dokument erwähnt und ausführlich beschrieben. Der Autor der Sachsenchronik bezieht sich bei seinen Ausführungen auf ältere Überlieferungen, welche heute allerdings nicht mehr verfügbar sind.

Krodo steht auf einer Säule und auf einem Fisch, welcher auf dieser Säule liegt. Er hält in einer Hand ein Rad und in der anderen einen Korb mit Blumen. Seine Bekleidung wird sichtbar vom Wind bewegt. Für die Deutung dieser Zeichen ergibt sich ein erheblicher Spielraum. Der klassischen Überlieferung nach handelt es sich überwiegend um Freiheits- und Fruchtbarkeitssymbole.

In unseren Tagen gibt es eine leicht abweichende modernere Erklärung, welche die vier Elemente der Antike zur Grundlage hat. Das Rad soll das Feuer (die Sonne) darstellen, der Eimer mit den Blumen die Erde, der Fisch das Wasser und der wehende Umhang die Luft. Das klingt durchaus plausibel, doch ob die alten Sachsen einstmals ihrem Krodo diese, eine ähnliche oder sogar eine ganz andere Symbolik zudachten, wird wohl für immer vom Nebel der Geschichte umhüllt bleiben.

Die heutige Krodo-Statue wurde im Jahre 2007 vom Kunsthandwerker Volker Schubert geschaffen und auf Initiative des Fördervereins Historischer Burgberg e.V. an diesem Standort aufgestellt. Damit ersetzt sie eine Krodo-Figur, welche einstmals zur Zeit der Sachsen auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg gestanden haben soll. Diese Statue zu Ehren des Gottes Krodo soll angeblich von Karl dem Großen Ende des 8. Jahrhunderts im Zuge der Christianisierung zerstört worden sein.

Krodo wurde einst auch an anderen Orten im Harzgebiet verehrt. So soll sich z.B. auf dem Frauenberg bei Ellrich ebenfalls eine Krodo-Kultstätte befunden haben. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts erfolgte jedoch durch die ersten christlichen Missionare eine seinerzeit nicht unübliche Umwidmung dieses Ortes im Sinne der neuen Religion. Zu diesem Zweck errichteten diese dort die Marienkirche, welche damit inzwischen auf eine 13 Jahrhunderte währende Geschichte zurückblickt.

Auch im Gebiet um Klettenberg ist eine Kultstätte zur Verehrung Krodos nachgewiesen worden. Dieser vermutlich auch als Thingplatz genutzte Ort wird heute als "Tempel" bezeichnet, was ebenfalls auf lange zurückliegende Ursprünge schließen läßt.

Dennoch gilt die Existenz von Krodo als nicht gesichert. Gelegentlich wird er als Pseudogott kategorisiert, was letztendlich unterstellt, daß dieser Gott eine neuzeitliche Erfindung sei.

Die Stadt Bad Harzburg läßt sich von derlei Bedenken nicht beirren. Schon seit längerer Zeit werden hier vielerlei Dinge mit Krodos Namen bedacht. In unseren Tagen ist Krodo sogar das Maskottchen dieses Heilbades am Ausgang des Radautals. Spätestens damit wurde Krodo real und niemand mehr kann seine Existenz ernsthaft leugnen.

 


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